„Sie war unser Rettungsanker“

„Sie war unser Rettungsanker“

Der Anfang einer stillen Gewissheit

Im Februar 2025 begann für unsere Familie eine Zeit, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Bei meinem Vater, damals 73 Jahre alt, wurden zunächst „Unstimmigkeiten“ im Bereich der Harnleiter und Nieren festgestellt. Ein Wort, das harmlos klingt und doch der Anfang eines Weges war, der unser Leben grundlegend verändern sollte.

In den folgenden Wochen erfuhren wir im Krankenhaus, dass seine linke Niere bereits ohne Funktion war und auch die rechte kurz vor dem Versagen stand. Zusätzlich wurde ein Harnleiterkarzinom entdeckt. Mein Vater wurde operiert. Und wie wohl jede Familie klammerten wir uns an die Hoffnung, dass danach alles wieder besser werden würde.

Wenn Hoffnung leiser wird

Doch das Gegenteil trat ein. Nach der Operation ging es nicht bergauf, mein Vater baute zunehmend ab. Mit jedem Tag wurde spürbarer, dass wir uns auf etwas zubewegten, das wir nicht aussprechen wollten.

Leider war das Krankenhaus keine große Hilfe. Meine Mutter und ich waren überfordert, erschöpft und plötzlich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, auf die nicht vorbereitet waren.

Ein Mensch, der alles veränderte

Dann trat eine Mitarbeiterin des Palliativdienstes in unser Leben, und mit ihr veränderte sich alles. Sie brachte Ruhe in das Chaos, Klarheit in die Gespräche und Menschlichkeit in eine Situation, die sich zuvor kalt und unüberschaubar angefühlt hatte. Sie hörte zu, sie erklärte, sie nahm uns ernst. Für uns war sie ein Rettungsanker.

Zwischen Loslassen und Festhalten

Mein Vater wusste tief in seinem Inneren, wie ernst seine Lage war, auch wenn er es sich nicht eingestehen konnte. Sein größter Wunsch war es, nach Hause zu gehen. So sehr wir ihm diesen Wunsch erfüllen wollten – das war nicht möglich.

In dieser Zeit habe ich oft an den Menschen gedacht, der mein Vater jenseits von Krankheit und Krankenhaus war: Seit seiner Jugend spielte er mit großer Leidenschaft Gitarre. Musik war für ihn Ausdruck von Lebensfreude, Freiheit und Persönlichkeit. Dieses Bild erinnert mich an ihn – an die Art, wie er gespielt hat, versunken in den Klang, ganz bei sich.

Der Palliativdienst blieb dennoch an unserer Seite: in einfühlsamen, ehrlichen Gesprächen mit meinem Vater über das, was vor ihm lag. Und auch bei uns, als wir seine festgelegten Wünsche gegenüber einem Arzt verteidigen mussten, der sie nicht akzeptieren wollte.

Die Entscheidung für das Hospiz

Mit der Unterstützung der Palliativmitarbeiterin entschieden wir uns schließlich für den Weg ins Hospiz. Sie organisierte alles und machte möglich, dass mein Vater innerhalb weniger Tage einen Platz bekam.

Dort verbrachte er noch vier Wochen, in denen es nicht mehr um Heilung ging, sondern um Würde, Nähe und so viel Leben wie möglich im verbleibenden Moment.

Am 21. Juni 2025 ist mein Vater gestorben.

Was bleibt

Es bleibt eine tiefe Dankbarkeit. Für die Versorgenden und Begleitenden aus der Palliativversorgung und dem Hospiz. Für ihre Empathie, ihre Geduld und ihre große Menschlichkeit.

Meinem Vater wurde jeder einzelne Tag so gestaltet, dass er sich sicher und gut aufgehoben fühlen konnte. Und wir als Familie wurden in unserer Trauer, unserer Verzweiflung und unserer Angst mitgetragen.

Menschen, die in der Palliativversorgung tätig sind, leisten Außergewöhnliches. Sie geben Halt, wenn alles ins Wanken gerät. Sie sprechen aus, wovor andere zurückschrecken. Und sie sorgen dafür, dass niemand diesen Weg allein gehen muss.  Ohne ihre Unterstützung hätten wir diese Zeit nicht so bewältigen können.

Eine Kampagne der DGP

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